Tag 4, Mittwoch, 29.08.2007
Es ist viel Zeit ins Land gegangen, bis ich mich endlich wieder aufraffen konnte etwas aufzunehmen. Ich bin musikalisch nicht wirklich untätig gewesen. Ich habe einfach nur sehr viel geprobt und gespielt und gespielt … einfach, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was mich als jansalleine so ganz alleine ohne Band wohl ausmacht; - um Ideen zu sammeln, wie ich die geplanten Songs umsetzen könnte.
Es ist nicht immer leicht, mit minimalistischen Mitteln die richtige Stimmung und vorallem auch Spannung zu erzeugen. Eine gute Übung ist es da, mal eine zeitlang vor sich hin zu spielen, um ein Gefühl für Dynamik zu bekommen. Sehr geholfen hat mir da diesmal das Covern einiger alter Uncle Tupelo Stücke.
Nun sprudelte am Tag zuvor [Dienstag, 28.] ziemlich unerwartet sogar ein ganz neuer Song aus mir heraus, der mir den letzten Motivationskick gab, die Aufnahmen fortzusetzen. Einen ganz frischen Song aufzunehmen gestaltet sich oft leichter, als einen, den man schon ewig kennt, weil man mutiger dabei ist, die Struktur noch zu bearbeiten und Dinge anzupassen.
So setzte ich mich also hin, den brandneuen Song “krank finden” aufzunehmen, der thematisch viele meiner Gedanken zum “Selbst” zusammenfasst und sich nicht scheut in epochaler Bob Dylan-Länge beinahe jede Facette aufzugreifen.
Nachdem ich alles fertig hatte, in einer sehr zufriedenstellenden Grundversion, ging ich erstmal zur Abendschule. Jetzt danach, habe ich mir das Teil nochmal angehört und mir ein paar Änderungen ausgedacht, die ich hoffentlich Freitag auf die Kette kriegen werde.
Ein Din-A4 Blatt voll mit Text - sowas verleitet mich immer schnell dazu, den Song möglichst schnell hinter mich zu bringen, damit er nicht allzu lang wird. Alleine die erste Version von heute ist bereits über 5 Minuten lang - aber klingt halt sehr nach “Redeschwall” — und so beschloss ich dann doch, den Song lieber noch länger zu machen mit kleinen, feinen Zwischenparts um dem Hörer ein paar Pausen zu gönnen, die vermutlich für den Hörer gar nicht lang genug sein können, um das eben Gesungene erstmal sacken zu lassen.
Auf der einen Seite bin ich froh, mittlerweile eine Textdichte hinzubekommen, die auch jenseits des ersten Refrains noch neues, spannendes bringt; doch auf der anderen Seite frage ich mich allmählich, ob es nicht - in Anbetracht der Textfülle - fast sinniger wäre ein Buch zu schreiben, anstatt Lieder
Mich beschleicht das Gefühl, das dies das philosophischste jansalleine Werk bislang sein wird… und trotz der vielen Worte, habe ich nicht das Gefühl, das man auch nur eines dieser Worte weglassen könnte.
Ich bin jetzt schon gespannt auf das Feedback. Das wird sicher interessant.
Aber bitte vergiss nie:
Ich liebe Dich… JA, genau DICH!
Tag 3, Dienstag, 07.08.2007
Hah… Da konnte ich endlich nochmal mit klarem Verstand aufwachen, weil es schön geregnet hatte die Nacht. Es erwartete mich der erste Aufnahme-Tag, den ich nicht halb-nackt bestreiten musste.
Ich wollte also den regnerischen Tag direkt mit einer verträumten Nummer begrüssen und wählte “Du lässt mich gehen”. Ein Nummer, die es damals nicht mehr ganz auf die Sessions 2004 schaffte, weil ich es eben ein paar Wochen zu spät geschrieben hatte.
Ich kann mich daran erinnern, dass ich davon damals schon eine recht coole Version aufgenommen hatte, die dann allerdings bei einem Festplattencrash verloren ging.
Noch begeistert von der minimalistischen “Hey Maria”-Version ging ich die Nummer auch ganz vorsichtig an. Eine Hauptspur mit Nylonklampfe war eigentlich eine ganz nette Sache. Problem dabei war, dass da soviel Gezupfe und drin vorkommt, dass es mir schlicht unmöglich war das alles gemäß meinen selbst gesetzten Limitationen an einem Stück einzuspielen ohne irgendwo wenigstens kleine Haker drin zu haben.
Das frustrierte mich schon sehr und ich muss zugeben, dass es nach einem - wie ich fand - ansonsten recht erfolgreichem Durchspiel doch eine Stelle gab, die so furchtbar klang, dass ich nicht umhin kam ein bisschen am PC zu “retuschieren”.
Ich nahm dann noch eine Westerngitarrenspur auf - nur für die Refrains - die gerade die Timing-Kritischen Refrains ein bisschen auflockern sollte. Aber irgendwie erschien mir die Nummer doch noch recht langweilig und öde. Es musste irgendetwas perkussives her.
Beim Essen der Salatreste vom Vortag kam mir dann die Idee -> Gabel und Löffel machten einen ganz netten Klang, wenn man sie gegeneinander schlug. Und so setzte ich mich mit dem Besteck vor’s Mikro und “spielte” dann jeweils die 2 und die 3 von meinem dreiviertel Takt. Ordentlich Hall auf diese Spur und ich kann sagen: Das klang schon ganz okay.
Zufriedenheit wollte sich dennoch nicht wirklich einstellen. Die Nummer schien mir immer noch zu langweilig und teilweise auch zu schlecht gespielt…. Eine geschrammelte weitere Westerngitarre wollte aber auch nicht so recht hineinpassen. Und Platz für Mundi war eben nicht, weil ich dummerweise die ganze Zeit durchsinge.
Ich gab es erstmal auf. Verpasste dem Ganzen im Gesamtmix nocheinmal ordentlich Hall in der Hoffnung die kleinen Timingschwierigkeiten noch etwas zu vertuschen.
Da mich das aber auch alles andere als glücklich machte, wollte ich es dann mit einer etwas besser gelaunten Nummer versuchen. Die Wahl fiel auf “Ja Ja Ja Ja” - eine Nummer, die ich auch gerne mit der Colt Seavers Connection zusammengemacht hätte, aber Joe offenbarte der Gruppe beim durchhören meiner Demos, dass er Songs wo so viel “Ja” drin vorkommt nicht leiden kann und ich beugte mich dieser Meinung.
Hier ging es zunächst ganz gut voran. Die zwei Akustikgitarrenspuren - 1x Nylon, 1X Western machten einen netten Eindruck und außerdem nahm ich am Schluss die Wiederholung des Refrains raus, damit die Nummer bloss nicht zu langatmig werden würde.
Ich sang noch zwei Gesangsspuren ein, aus denen ich dann eine recht gelungene Version zusammenschnitt, aber der Tag schien irgendwie verloren zu sein. Ich ließ noch Platz die “Ja Ja Ja’s” im Refrain mit mehreren Stimmen einzusingen, aber hatte irgendwie keine Lust das zu machen. Auch diese Nummer kam mir schrecklich öde und langweilig vor und ich beschloss, ersteinmal auf unbestimmte Zeit ein Pause mit den Aufnahmen einzulegen.
Die letzten Tage habe ich mich dann mit anderen Sachen beschäftigt und heute [also Freitag, 10.08.2007] hatte ich zusätzlich zur Abendschule auch noch Frühdienst… Naja, kurz vor Schulbeginn habe ich dann mal die Gitarre genommen und ein bisschen mit mir selbst auf “Du hast geweint” [sozusagen ein Ex-Voleander Song] rumgejammt, wobei mir ein paar gute Ideen für eine jansalleine Version gekommen sind.
Es ist eben immer schwer, Aufnahmen hinzubekommen, die einigermaßen ordentlich sind, aber trotzdem nicht so einen “erzwungenen” Charakter bekommen, wie manche Hi-End Produktionen. Eine gewisser Hauch von Spontanität sollte trotz aller Planung und aller Mühe vor allem bei diesen Aufnahmen bestehen bleiben… Naja, ich werde sehen, was die nächsten Tage bringen.
—
Ich liebe Dich!
Tag 1, Freitag, 03.08.2007
An meinem letzten freien Tag in den Sommerferien begann ich nun endlich nochmal mit einigen ernst-gemeinten Spaßaufnahmen zu einem kleinen Solo-”Zwischenalbum”, welches ich dieses Jahr bis zum 29.10. fertig haben möchte. Der Arbeitstitel lautet bislang “The Band I’ve formed is temporarily not available” - klingt aber meiner Meinung nach so nett, dass das Teil letztenendes vielleicht wirklich so heissen kann.
Meine selbstgesetzten Limitation sind ähnlich wie vor den Aufnahmen zu den Sessions 04:
1.) nur akustische Instrumente
2.) komplett Live am Stück einspielen [nicht nachträglich noch den C-Teil kürzen oder an eine andere Stelle verfrachten oder so]
3.) kein Instrument, dass ich besitze darf in einem Stück gedoppelt werden. d.h. maximal drei Akustikgitarrenspuren - jeweils eine mit den beiden Westerngitarren und noch eine weitere mit der Nylonsaitengitarre / Banjo / Mundharmonika - AUSNAHME dabei natürlich wiedermal der Gesang und alles, was sonst so krach machen kann aber landläufig nicht als “Instrument” bezeichnet wird
Ihr seht also - das wird ein Spaß für alle jansalleine-Puristen unter Euch…
Ich begann zunächst mit dem Stück “Alle Poren meiner Seele”, welches einigen Auserwählten unter Euch schon von meinen 2005 Demos bekannt sein sollte [wie im übrigen das meiste von diesen Stücken - handelt es sich hierbei ja um die Stücke, welche es quasi “nicht wert” sein werden mit der gesamten Colt Seavers Connection aufgenommen zu werden.
Ich kämpfte mich zunächst durch eine kaum brauchbare - irgendwann einmal aufgenomme Pilotspur und damit die Klickspur [das Taktel sozusagen] so zu programmieren, dass nicht nur Tempowechsel, sondern auch Taktwechsel [von 4/4 zu 3/4] im C-Teil hinhaut und auch wieder zum Refrain zurück.
Nach einigem hin und her bekam ich eine recht schöne, spartanische Grundversion auf die Kette, in welcher sich eine gezupfte Nylonklampfe mit einer ebenfalls gezupften Westerngitarre schön ergänzten. Für den geschlagenen C-Teil nahm ich dann doch noch die zweite Westerngitarre zur Verstärkung.
Leider wollte sich hier - trotz der dritten Gitarre - die rechte Kraft noch nicht ausbreiten, also griff ich zu dem einzig legitimen Mittel innerhalb meiner Limitationen -> ich sang und gröhlte immer und immer wieder - auf immer neue Spuren - was das Zeug hielt und kann nun stolz sagen, dass dies das erste jansalleine Stück ist, auf dem zu hören sein wird, wie es klingen würde, wenn man einen über 20 Mann starken Chor mit Klonen meiner selbst zusammenbringt.
Eunuchenartig geht es dann in den Schlußrefrain übrig, was zunächst eigentlich mehr ein Unfall war - mir dann aber nach mehrmaligem hören schön krank und sogar passend vorkam.
Nach so viel Dramatik und Ernsthaftigkeit, beschloss ich, dass die nächste Nummer, die ich aufnehmen wollte, eine Partynummer sein sollte. Ich war nun eh schon vom Morgenkaffee zum Bier übergegangen und hatte auch keine Lust ein Stück zu versuchen, bei dem ich mich allzu sehr mit dem Singen hätte anstrengen müssen.
Die Wahl fiel auf “Meine Welt ist aus der Bahn” - eines der ersten - zumindest musikalisch - gut-gelaunten Stücken, dass ich als Reaktion auf meine bevorstehende Scheidung verfasst habe. Und weil das Stück schon nach einer “lachend in den Untergang” Attitüde schreit, entwickelte sich erstmal eine fluffige Nylonklampfen-Spur, die möglichst perkussiv klingen sollte, um eventuell auf rythmische Unterstützung von Töpfen und Pfannen verzichten zu können.
Weil ich zu feige war nahm ich die Nylon-Spur dann einfach auf ohne die Standard-Spur der Westerngitarre mitzuhören. Ich wollte mich selber überraschen, ob es nachher zusammenpasste. Und siehe da: es passte. Und das sogar verdammt gut. Es ging so gut, dass ich direkt noch eine zweite Schrammelspur mit der anderen Westerngitarre hinterherschmiss, die ganz mutig auch mal doppelt so schnell wird in den Refrains.
Ich liess mich dann nach und nach immer mehr auf die Party mit mir selbst ein - sang einen rauhen Hauptgesang und ein bisschen Background mit Pfeifen auf der Bierflasche und später auch Mundharmonika ein… und dann fühlte sich das alles so nett an, dass ich anfing aufzunehmen, wie ich beim durchhören mitklatschte. So nahm ich also Klatsch-Spuren auf, bis die Hände weh taten und applaudierte mir selbst am Schluss. Als ich fand, der Partyeindruck wäre halbwegs gut vermittelt, beschloss ich mit dem Klatschen aufzuhören und ggf. anderntags nochmal einzuklatschen, sollte mir die Party noch nicht reichen.
Es war unterdes schon recht spät geworden und ich hatte nicht mehr viel Zeit, bevor ich ins Kultshockk musste, um im Gottesdienst zu spielen, aber aufhören wollte ich auch noch nicht ganz. Ich besorgte mal eben noch Biernachschub im nahe gelegenen Kaufpark und beschloss jetzt mal mein neues Capodaster auszutesten. Es zeigte sich recht schnell, dass “Hey Maria” - das wirklich allererste Stück, was ich geschrieben habe, als Nina mich damals verlassen hatte - die richtige Nummer war, weil mir die erste Version davon vom Gesang her etwas zu gequält war… Und es lag nun nahe, das einfach zu transponieren ohne am Feeling viel verändern zu müssen.
Ich stellte das Mikro mitten in den Raum und spielte eine gefühlvolle Nylonklampfen-Spur ein, welche herrlich nach Einsamkeit klang. Danach ging es wieder in meinen Miniflur um einen lockeren Gesang einzusingen…
Nun musste ich aber wirklich zusammenpacken - liess eben den Rechner die Mixe berechnen und hörte das auf dem anderen Rechner mit anderen Kopfhörern probe und war recht zufrieden. Das noch recht minimalistische “Hey Maria” hatte schon so viel “Soul” dabei, dass ich mir fest vornahm gar nicht mehr allzu viel daran zu machen.
—
Tag 2, Montag, 06.08.2007
Ein Spätdienstwochenende und eine kuschelige Nacht mit dem Flamingo später ging es dann wieder an’s Werk. Über die Tage hatte sich die Vorstellung in mir festgesetzt, dass ich in den textlosen Passagen bei “Hey Maria” eine unaufdringliche Country-Slide Gitarre brauchte. Nun hatte ich Idiot natürlich vergessen bei meiner letzten Bestellung ein Bottleneck einzukaufen und suchte hilflos in der Wohnung herum, was ich gut als Ersatz nutzen konnte. Der Flamingo half mir liebevoll.
Die “MiniMaglite” schien dann schließlich der beste Bottleneck-Ersatz zu sein, den ich finden konnte. Und was dem Sound an Coolness noch fehlte, das machte dann die “Telephon”-Equalizer Einstellung wett.
Viel habe ich dann “Hey Maria” auch nicht mehr angetan. Kurzes Mundisolo; im Endpart eine leichte Westerngitarre im Hintergrund - leicht verzerrter Gesangssound am Schluss - passend zu “Es tut so weh…” - und drei Zeile zweiter Stimme Gesang - ebenfalls nur am Ende.
Der Flamingo nahm unterdessen irgendwann ein Bad, stellte die üblichen Fragen wie “Findste nich auch, dass der BH unter diesem Oberteil zu sehr durchscheint”, die ich gekonnt mit “Nein” oder “Keine Ahnung” beantwortete.
Meine durch die Anwesenheit des Flamingos sich immer stärker bemerkbar machende Libido veführte mich dazu, zu versuchen “Sex Sucks” als nächstes Stück auszuprobieren. Ich scheiterte kläglich an diesem Song. Alle Versuche aus diesem ehemals für Voleander geschriebenen Werk ein annehmbares jansalleine-Stück zu zaubern waren vergeblich und ich dachte irgendwann, dass dieser Song wohl außer dem plakativ-provokanten Titel und ein paar schönen Zeilen [wirklich schöne Zeilen, mit denen ich den Tocotronic Song “Über Sex kann man nur auf Englisch singen” widerlegen wollte] wohl nicht viel zu geben hätte.
Es war nun schon wieder so spät geworden, dass ich nicht sicher war, ob es sich vor meinem ersten Schultag dieses Semester noch lohnen würde, eine weitere Nummer anzufangen. Nun saß aber der Flamingo - mittlerweile mit einem dunkleren Oberteil - so liebreizend da, dass ich meinte, ich müsste ihm nun auch einmal einen Ton entlocken.
Als langjähriger Fan von den Ärzten und insbesondere dem Schaffen des Farin U., wollte ich doch auch nur allzu gerne einmal ein Lied haben, wo ich singe “Ich hab dasunddas” und dann eine Frauenstimme wiederholt: “Er hat dasunddas”. Prädestiniert - insbesondere für die kurze Zeit die noch blieb - schien mir da “Ich muss mit mir weiterleben”, was der Flamingo nicht nur durch einen Engelschor von “Er muss mit sich weiterleben”, sondern auch durch recht Taktfestes Getrommel auf dem Korpus meines Banjo verschönerte.
Nun ward der Abend des zweiten Tages und ich höre gerade, dass eben “Ich muss mit mir weiterleben” echt fett rockig klingt… Vielleicht lautstärkemäßig bislang zu gewagt rockig klingt… was eben nur die zwei Schlüsse zulässt:
Entweder ich mische es noch etwas leiser oder ich mach noch ein paar dieser extrem rockig klingenden Akustik-Nummern.
4 Stücke und damit 12 Minuten und 14 Sekunden habe ich somit bereits zusammen. Ich bin selber gespannt, wie und wann es weitergeht… und welche versunkenen Perlen ich noch aus meinen Textordnern ausgraben werde…
Ihr werdet an dieser Stelle jedenfalls weiterhin informiert.
—
Ich liebe Euch!
Ja, und DICH, Dich liebe ich ganz besonders!
Denn Du bist wichtig…
vielleicht nicht mir… nicht unbedingt…
aber wichtig bist Du mit Sicherheit!
Graf-0